Kurz-Info
Abendkleider, besetzt mit Pailletten aus alten CDs. Ein
flatternder Partydress aus handbemalter Ökoseide. Zwei Kollektionen, eine Idee
– und dazwischen liegen gut 20 Jahre Entwicklung: vom Modestudenten zum
Designer, vom Recyclinggedanken zur Green Fashion.
Mit 15 entdeckte Stefan Reinberger seine Liebe zur Mode. Nach einem Studium an
der Bremer Kunsthochschule arbeitete der gebürtige Rheinländer als Designer für
verschiedene Firmen und entwarf nebenher fantasievolle Theaterkostüme. 1998
gründete er in Berlin sein Label „Reinberger Couture“. Das Kernstück: eine
Frauenkollektion, die – branchenuntypisch – nicht jede Saison komplett
wechselt. Das modern Zeitlose seiner Kleinserien und Unikate ist Stefan
Reinberger wichtig: „Ich biete auch Klassiker an, die immer nachgeordert werden
können. Oft möchte eine Kundin auch nach Jahren noch ein ergänzendes Teil zu
ihrem Lieblingskostüm oder -anzug.“ Nachhaltigkeit der etwas anderen Art.
Der Designer liebt Details, Drapierungen und weiche, fließende Stoffe.
„Businesstauglich, aber immer weiblich“, so beschreiben Kundinnen seinen Stil.
Da erhält der Hosenanzug aus grober Wolle eine Perlenverzierung, und
Nadelstreifen treffen auf üppige Blumenmuster. Auch bei der Produktion geht
Reinberger seinen eigenen Weg, verarbeitete von Anfang an vorwiegend natürliche
Materialien. „Ich liebe Wolle und Seide, nehme gern einen schönen Stoff in die
Hand. Das war ein Grund für mich, überhaupt Mode zu machen. Da ist es nur logisch,
dass die Stoffe nicht mit Chemikalien belastet sind und unter vernünftigen
Bedingungen hergestellt werden.“ Als in den letzten Jahren grüne Mode zum Thema
wurde, stellte Stefan Reinberger fest: „Das mache ich doch längst. Ich nenne es
nur nicht so.“
2010 fand er dann mit der Spremberger Tuche GmbH den idealen Partner. Das
brandenburgische Traditionsunternehmen verwendet nachwachsende Rohstoffe und
Pflanzenfarben und produziert ausschließlich in Deutschland. Um Stoffe zu
entwickeln, steht der Designer oft selbst in der Werkhalle. Für seine aktuelle
Kollektion, die er im Juli auf der Berlin Fashion Week vorstellte, ließ sich
Reinberger von den Skulpturen des britischen Land-Art-Künstlers Richard Long
inspirieren.
Sein Faible für alles Grüne, Lebendige beeinflusst seine Arbeit ebenso wie
seinen Alltag. „Ich bin ein Genussmensch“, sagt Reinberger. „Schon deshalb
versuche ich so viel Natürlichkeit wie möglich in mein Leben zu integrieren.
Aber ohne Dogma.“ Daher verarbeitet er, wo Alternativen fehlen, auch mal einen
„nicht grünen“ Stoff. Wenn es dann doch ökologisch geht, freut sich Stefan
Reinberger besonders. Als er vom leuchtenden Rubinrot seines aktuellen
Lieblingskleides schwärmt, dessen Seide ausschließlich mit Pflanzenfarben
behandelt wurde, ist seine Begeisterung nicht zu überhören.
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