Lemonfish

Lemonfish

Kurz-Info

„Kameraden“ heißt die Taschenkollektion, die das 2001 gegründete Modelabel Lemonfish aus gebrauchten Seesäcken hinter Gittern herstellen lässt. Die beiden Industriedesignerinnen Alexandra Dittrich und Bettina Burchard kennen sich von der Hochschule für Gestaltung in Schwäbisch Gmünd und haben sich auf textile Accessoires, speziell auf Taschen aller Art, spezialisiert.

Seit Anfang 2007 lassen die beiden Plüderhausener ausgefallene Kreationen im Frauengefängnis Gotteszell fertigen. Als sie einen Produktionsstandort in ihrer Nähe suchten wurden sie auf die Anstalt aufmerksam.

 

Zunächst ließen sie aus alten Bundeswehrtaschen originelle Modelle unter dem Namen „Feld&Brot“ herstellen, die mit Applikationen verziert wurden. Für die „Kameraden“-Kollektion werden Details und Materialien aus gebrauchten, robusten Seesäcken von den Gefängnissinsassinnen gereinigt, zugeschnitten und mit passenden Stoffen kombiniert und verarbeitet.

Alle Modelle sind mit eigenem Aussehen, Gebrauchsspuren und reparierten Stellen individuelle Unikate. Das Modell „Hirsch“ begeistert durch das Aufnähen alter Webborten mit einem applizierten Hirsch aus Leder und wird alltagstauglich mit gepolsterter Inneneinteilung und Fächern für Unterlagen und Notebook. Das funktionelle und robuste Modell „Heidi“ wird mit praktischer Reißverschlussinnentasche, Schlüsselband, originalen Aluminiumdetails sowie Innenfutter und Schleifenbändern aus alten Baumwollstoffen mit nostalgischen Blumenborten versehen. Inzwischen gibt es auch die ersten Gürtelmodelle aus diesem originellen Material.

 

Natürlich sorgten Herstellungsort und –material schnell für Aufsehen, die Nachfrage wurde so groß, dass die Bestellungen auf einer langen Warteliste landen, welche die inhaftierten Frauen mit großem Engagement abarbeiten. Denn inzwischen ist dieses Projekt auch ein bisschen ihr eigenes Projekt geworden. Zum Glück hatten zwei der Inhaftierten eine zweijährige Ausbildung zur Modenäherin absolviert, denn ohne diese erlernten Fähigkeiten könnten diese anspruchsvollen Taschen nicht genäht werden.

Die Preise für die Taschenmodelle liegen bei 89 Euro aufwärts. 2007 erhielten die beiden kreativen Designerinnen von der Jury des internationalen Designerpreises Baden Württemberg gleich für zwei ihrer Entwürfe Silberpreise. Wenn sie bei Messen Kunden von dem ungewöhnlichen Produktionsstandort erzählen, laufe denen oft genug ein Schauer über den Rücken. Uns so wird man vielleicht noch häufiger auf die Frage, woher denn die Taschen kommen, hören: “Aus dem Gefängnis.“